Wie wenig Dienstqualität ist akzeptabel?

Ich gehöre ja nicht zu einem Menschenschlag, der oft nörgelt oder grundlos trollt. Allerdings hat auch meine Geduld Grenzen. Als ich noch in Hohenstein-Ernstthal wohnte, war ich Kunde von Kabel Deutschland und hatte dort mit meiner 32MBit/s Anbindung nie Probleme. Das DSL in der Wohnung vorher im Heckertgebiet  hatte auch nur selten Ausfälle und oft genug fast die beworbene Bandbreite erreicht.

Vor einigen Jahren bewarb ich mich um die Teilnahme am Samknows Projekt un bekam auch eine Whitebox zugeschickt, die fortan fleißig ihren Dienst verrichtet. Sie prüft in regelmäßigen Abständen die Downstream Geschwindigkeit, die Upstream Geschwindigkeit, die DNS Antwortzeiten, UDP Latenz, Packetverluste und einiges mehr. Die Testergebnisse werden grafisch schön aufbereitet und ich kann auch auf die Ergebnissrohdaten zugreifen.

Seit ich in Chemnitz wohne bin ich Kunde der Primacom, die einen großen Teil des Chemnitzer Fernsehkabelnetzes betreibt. Sie bewirbt Bandbreiten bis zu 150Mbit/s. Das es in diesem Bereich schwierig ist, das durchgehend sicher zu stellen war mir bewusst. Wie viel Überbuchung des geteilten Mediums Fernsehkabel ist aber aktzeptabel? Ich kann jeden Tag die Uhr danach stellen, dass zwischen 18 und 24 Uhr die Bandbreite auf einen Bruchteil der beworbenen Bandbreite zurück geht. Die Daten, die die Whitebox dazu erhebt geben ein deutliches Bild.

Downstream Bandbreite letzte 7 Tage

Downstream Bandbreite letzte 7 Tage

Man kann deutlich erkennen, dass zur Prime Time weniger als 10 Mbit/s zur Verfügung stehen. Klar handelt es sich um ein Luxusproblem, wenn der normale Nutzer auf dem Land an einer 2Mbit/s Leitung hängt. Aber ich habe meinen Wohnsitz nicht umsonst in das Zentrum einer Großstadt verlegt um dem zu entgehen.

Downstream Bandbreite letzte 30 Tage

Downstream Bandbreite letzte 30 Tage

Wenn man sich den durchschnittlichen Downstream über 30 Tage anschaut ergibt sich auch nicht gerade ein rosiges Bild. Als Negativbeispiel sticht hier der 4 Oktober hervor an dem der Anschluss fast den ganzen Tag unbenutzbar war. Aber sonntags muss man ja den Anschluss nicht nutzen können.

Anrufe bei der Kundenhotline gestalten sich bei den Paketverlusten, die mit den Performanceeinbußen einhergehen auch als schwierig und wenn man jemanden erreicht sind die Callcenteragenten zwar nett, können aber keinen Fehler entdecken. Das Angebot den Vorgang an die „Technik“ weiterzuleiten  hat bisher auch zu nichts geführt. Vielleicht sollte ich mich von Urteilen wie vom AG München ermutigen lassen und einfach auf Glasfaser wechseln. Dort hat das geteilte Medium mehr Kapazität.

Die Dienstqualität, die mir aktuell geboten wird, bestärkt mich in meinem Bestreben mit Freifunk eine alternative Infrastruktur aufzubauen. Wird das helfen die Qualität für alle zu heben?

Über Steffen Förster

Softwareentwickler und Freifunker
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